
Wir haben die Freiburger OB-Kandidatinnen und -Kandidaten um ihre Meinung zu unseren Fragen zur Klimaanpassung in Freiburg gebeten. Hier findet Ihr alle Antworten, die wir nach ihrem Eintreffen eingepflegt haben. Die Antworten sind unverändert und geben nicht zwangsläufig die Meinung der Freiblocks wieder.
1 – Unser Hitzeschutz schmilzt: Wird ein alter Baum gefällt und durch einen Jungbaum ersetzt, braucht es Jahrzehnte, bis derselbe Kühlungseffekt erreicht ist.
In Berlin legt das neue BäumePlusGesetz darum einen Nachpflanzungsschlüssel von 1:3 fest.
Wie viele neue Bäume wollen Sie bis 2035 zusätzlich zu den Bäumen, die auf Grund von Baumaßnahmen, Krankheiten oder mechanischen Schäden ohnehin nachgepflanzt werden müssen, pflanzen lassen?
Florian Braune
„Freiburg ist Stadt des Waldes. Über 40% sind bewaldet. Es muss mE aber zwischen der Waldwirtschaft und den Bäumen in den besiedelten Gebieten unterschieden werden. Ich möchte, dass die Freiburgerinnen und Freiburger jedes Jahr 1.000 neue klimaresistente Bäume pflanzen. Diese sollen von der Stadt zur Verfügung gestellt werden. Dies unabhängig davon, was die Stadt selbst noch an Bäumen pflanzen muss, aufgrund von Baumaßnahmen, Krankheiten oder mechanischen Schäden usw.“
2 – Nur alte Bäume erbringen die notwendigen Ökosystemleistung, wie Kühlung und Artenschutz.
Wie wollen Sie den wertvollen Altbaumbestand in der Stadt, der durch die zunehmenden Trocken- und Hitzeperioden zusätzlich belastet wird, konkret schützen?
Florian Braune
„Es gibt ja schon die Baumschutzsatzung, welche das Fällen von Bäumen verhindert. Ich sehe aber noch Potenzial durch Entsiegelung der Flächen rund um die Bäume, z.B. größere Baumscheiben, Rasensteine oder andere wasserdurchlässige Materialen. Es gibt für die Wüste Bewässerungssysteme, die Tauwasser sammeln und während des Tages abgeben. Das könnte eine Idee sein. Ein Baumkataster und regelmäßiges Monitoring, falls es das noch nicht gibt, wären sinnvoll.“
3 – Im August 2023 kam es zu Überflutungen von Straßen und Kellern im Bereich der Günterstalstraße.
Wie wollen Sie planmäßige Straßensanierungen und den Fernwärmeausbau nutzen, um mehr Versickerungsmöglichkeiten für Starkregen im Straßenraum zu schaffen?
Florian Braune
„Ich schlage vor, dass die Stadt Freiburg ein Pilotprojekt initiiert, in dem das Regenwasser auf den Schlossberg/Schauinsland/Schönberg gepumpt wird und dort in kleinen Seen oder durch Drainagerohre versickern soll. Auf Dauer brauchen wir einen großen Wurf, um an den Klimawandel angepasst zu sein, was nicht heißt, die kleinen Maßnahmen zu lassen. Alle Flächen, die nicht für den Verkehr gebraucht werden, müssen entsiegelt werden. Es gibt sicherlich Drainagemöglichkeiten, die bei den von Ihnen geschilderten Maßnahmen verbaut werden können.“
4- Hitzetage über 30° nehmen in Freiburg schon jetzt deutlich zu, ebenso gesundheitsgefährdende Tropennächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20° sinken.
Klimaanpassung ist für Freiburg zwingend erforderlich und darf nicht mit Mitteln aus dem ebenfalls notwendigen Klimaschutz finanziert werden. Wie wollen Sie die Klimaanpassungsmaßnahmen finanzieren?
Florian Braune
„Die Kommunen brauchen mehr Mittel aus Land und Bund. Mit Pilotprojekten und der Einbindung der Wissenschaft, könnte ein erster Schritt getan werden. Da es die Eigentümer betrifft und diesen zugute kommt, müsste geprüft werden, ob diese im Wege eines nachträglichen Anschluss- und Benutzungszwangs zur Finanzierung herangezogen werden können. Dies ist aber eine sehr sensible Angelegenheit und muss wohl durchdacht sein.“
5 – Die Stadt Freiburg hat bereits ein Klimaanpassungskonzept (KLAK Hitze und Wasser), es sind aber keine konkreten Maßnahmen für die ausgewiesenen Hot Spots geplant.
Bitte nennen Sie zwei konkrete und klimatisch wirksame Maßnahmen, die Sie umsetzen wollen und wann die Umsetzung stattfindet.
Florian Braune
„Es loht sich Freiburg von Oben anzusehen. Da gibt es viele Flachdächer, die begrünt werden könnten. Der PdaS könnte mit einer Pergola aus Rankpflanzen nachgerüstet werden.“
6 – Superblocks sind ein städtebauliches Konzept, das schon in vielen Städten getestet wird. Es vermindert Durchgangsverkehr und schafft mehr Platz für Grün und Menschen.
Würden Sie das Konzept in einem geeigneten Quartier, z.B. der Wiehre oder im Stühlinger, unterstützen?
Florian Braune
„Solche Maßnahmen brauchen die Akzeptanz der Bewohner. Viele Menschen planen z.B. ihren Job mit dem Auto und sind deshalb darauf angewiesen. Die Idee ist super und ist unterstützenswert. Wenn das Einrichten einer Spielstraße schon über 4 Jahre dauert (was ich viel zu lange finde), sehe ich nur Chancen bei einer längerfristigen Planung.“
7 – Das Gartenamt hat seit Jahren nur eine kommissarische Leitung und untersteht seit der Zusammenlegung der Ämter dem Tiefbauamt. Diese Struktur ist nicht mehr zeitgemäß: für die Umsetzung der Schwammstadt-Maßnahmen resp. der blau-grünen Infrastruktur, ist ein starkes, personell gut ausgestattetes Gartenamt Voraussetzung. Wie wollen Sie das Gartenamt stärken?
Florian Braune
„Die Interpretation, dass das Gartenamt dem Tiefbauamt unterstellt sei, höre ich zum ersten Mal.
Seit Herr Utz nicht mehr Leiter ist und die Ämter zusammengelegt wurden, kann dieses Gefühl schon vorhanden sein. Hier muss eine offene Debatte mit den Vor- und Nachteilen der Zusammenlegung geführt werden. Möglicherweise hängt dies aber auch mit der Leitung und deren Prioritäten zusammen?“
